Zu schön um wahr zu sein..
26. May 2011
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Ich durfte wieder einmal assistieren gehen, bei einem ganz-tägigen Shooting. Beauty-Shots, würde ich sagen, obwohl mich da die Differenzierung immer wieder verwirrt. Studioaufnahmen, danach Aufnahmen ausserhalb und am Abend süsse Diskussionen.
Es ging unter anderem um Bildbearbeitung. Bildbearbeitung, das Unwort der letzten 10 Jahre, seit das digitale Zeitalter herauf beschworen wurde. Obwohl gab es und wird es die Bildbearbeitung immer geben; früher waren es die Stunden in der Dunkelkammer, heute die Stunden vor dem Computer. Ich will Photoshop nun nicht mit dem Vergrösserer vergleichen, da Photoshop doch einiges mächtiger ist. Doch konnte ich früher schon abdunkeln, aufhellen, mit versch. Kontrasten arbeiten etc. Was viele Leute nicht wissen oder nur schwer erahnen: Fotos kommen nicht Hochglanz aus der Kamera, auf jeden Fall noch nicht. Und die Bildbearbeitung ist ein kreatives Mittel des Fotografen. Bildbearbeitung soll die Wirkung des Bildes verstärken, den Betrachter ins Bild führen, aber: nicht verfälschen!
Nun bekommst du einen Auftrag, 20’000 Franken, Mode-Shooting plus Bearbeitung. Das Make-Up war ok, doch das Gesicht des Models immer noch nicht ohne Makel. Naja, egal, kein Gesicht ist ohne Makel, nie und wird es auch nie sein. Du bearbeitest die Bilder, vielleicht sogar noch ein paar Pickel. Du merkst, dass der Hals des Mädchen ein bissl dick aussieht auf den Fotos. Nicht das es dich stören würde; sie sieht ja super aus, wirklich.. Ihre süssen Lippen, der Knackarsch und ihr gebärfreudiges Becken wecken all deine Sinne.
Trotzdem ist der Hals ein Makel, der dich nicht stört. Du veränderst nichts, vielleicht aus ideologischen oder moralischen Gründen, du bist zufrieden so wie sie ist, so wie es ist.
Doch ist es deine Kunde auch? Oder war das dein letzter Auftrag? Und zu all diesen finanziellen Fragen kommt noch die des Sinnes: Photoshop gibt dir die Möglichkeit aus jedem Menschen eine Schönheit zu zaubern, auch wenn man die Person nicht mehr erkennt. Also warum werden überhaupt solch teure Models gebucht? Wahrscheinlich aus ökonomischen und Effizienzgründen; die Bearbeitung von hässlichen Leuten geht doppelt so lang, das kostet. Oder aus purer Heuchelei: Man nimmt schöne Objekte und macht sie noch schöner, dass ist moralisch viel einfacher zu verdauen, als wenn man Hässliche nimmt, und sie schön macht. Und es wäre auch sehr auffällig.
Ich sollte meine langerkämpften Programmierkenntnisse nutzen und eine Modelsoftware schreiben, alles 3d-animiert; die perfekten Models, nach meinem Ermessen. Hat sie zu kleine Brüste, machen wir sie grösser. Ist sie klein, machen wir sie grösser. Alles wird grösser, und rundiger, ohne Cellulite und den ganzen Stress eines Shootings.
Ein bisschen wie Autowerbung; die wird auch schon lange nicht mehr richtig “fotografiert”, sondern am Computer animiert (Autos zu animieren ist aber auch erheblich einfacher).
Nun liest man das, und wenn meine Arroganz recht behält, sagt ihr euch “hmm, da hat er doch einen Punkt”. Man muss diesen Gedanken aber weiterziehen: Wie kam es dazu?
Wie kam es dazu, dass sich junge Mädchen den Finger in einer Regelmässigkeit in den Mund stecken, nur weil sie die Bade-Werbungen von H&M sahen und sich fragen: Wie zum Teufel machen die das? Sogar das Mädchen, dass auf der Werbung abgelichtet wird, sieht sich selber und fragt sich: Wie zum Teufel machen die das?
Und alle Fragen sich “wie zum Teufel machen die das alle?” und ich frage mich “warum zum Teufel machen da alle mit?”. Und so fragt man sich und fragt man sich und merkt nicht, dass man Teil dieses Kreislaufes ist, bei dem es nicht um reale Schönheit geht, sondern nur um einen Wunsch von Perfektion. Denn das Bild lügt nicht und ist für die Ewigkeit, der reale Körper aber nur ein wandelndes Verbrauchsmaterial, welcher in seinen kurzen, von Schönheit durchtränkten Jahren (so zwischen 16 und 20) nichts mehr als eine gute Vorlage ist.
Für etwas Besseres, Unerreichbares..
Social conventions 2.0
14. February 2011
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New Jersey.. New York.. Make-Up Designory.. little house with 27 rooms.. whatever.. got lost in the house.. credit card blocked.. dub step.. 1 coke a day.. claude monet.. sick view (again!).. awesome people!.. 3 models.. 2 make-up artists.. 1 me..
Photography: michafreutel.ch
Make-Up: Sarah
Models: Noobie, Erika and Bela
Make-Up and photography assistance: Melanie Volkart










© Micha Freutel
Natalie Angiuli
12. January 2011
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Singer.. songwriter.. Living Room.. cool performance.. no beer.. cold ass weather.. NYC..
From Los Angeles.. awesome personality.. sarcasm.. just Natalie.. album drops next month.. go listen to her music while watching the pictures..
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© Micha Freutel
Das Spiel der Spiele..
5. January 2011

Eine Junge kickt den Tränengaskanister in Richtung des Windes. © Christopher Bär
Da sitze ich nun, einsam wie auf einem Damenklo, alleine zwischen Männern, die ich nicht kenne. Ich sehe mich um in der Moschee mit seinen vielen Stühlen und dem Plastikbezug, welcher den Teppich schützt: Sie kommen und gehen, werden gegrüsst, grüssen und kondolieren den männlichen Teilen der Familie. Ich fühle mich unwohl, deplaziert. Die richtigen Worte zu finden, fällt mir schwer; mein arabisch begrenzt sich auf „Hallo“ und „Wie geht es dir“. Es geht um Solidarität, um das „dort sein“. Es geht um Interesse..

Tränengaskanister die gesammelt werden. © Christopher Bär
Am Freitag schlichen wir uns noch in das palästinensische Dorf „An Nabi Saleh“, welches aus Vorsicht vor den wöchentlichen Demonstrationen von der IDF (Israeli Defense Force) seit den frühen Morgenstunden abgeriegelt wurde. Hügel rauf, Hügel runter und immer auf der Hut nicht erwischt zu werden, denn dies könnte zur einer Haftstrafe führen. Die IDF weiss genau, dass Internationale ihrer Sache nicht behilflich sind – daher die Vorsichtsmassnahme. Nach einem knapp stündlichen Marsch, der so aufreibend war wie „Räuber&Poli“ für Sechsjährige, erreichen wir das Dorf. Die friedliche Demonstration startet und wird schon
nach fünf Minuten mit Knallbomben und Tränengas aufgelöst. Dies ist der Start eines mehrstündigen Widerstands, der sich durch verstecken, attackieren, wegrennen und vertreiben charakterisiert. Die Waffen der Palästinenser bestehen aus Steinen in verschiedenen Grössen, mit verschiedenen Mittel geschossen. Die Waffen der IDF sind Tränengas „en masse“, Gummigeschosse (na, Metallkörper mit Gummiummantelung) und Knallbomben. Das Erstaunliche an diesem Dorf: Im Gegensatz zu anderen Orten (und dessen Demonstrationen), ist hier nicht nach einer halben Stunde Schluss; man verteidigt sich, bis die IDF das Feld
räumt, was meistens bei Einbruch der Nacht geschieht. So stehe ich an vorderster Front mit den Männern und Jungs zusammen, fotografiere und spiele das Spiel des Widerstandes mit. Ja, es scheint ein Spiel zu sein, obwohl das Tränengas einem den Atem raubt, die Gummigeschosse hinter einem einschlagen. Ein Spiel, das ernster ist als manch andere. Doch es bleibt ein Spiel..

Der Protest wird nicht nur von Jungen geführt; das ganze Dorf beteiligt sich. © Christopher Bär
Zurück in der Moschee. Die Stimmung ist angespannt und traurig. Sie lässt die Gedanken tief gehen und die Gedanken führen einem zu einer Selbstanalyse. Was zum Teufel mache ich hier? Und insbesondere, warum mache ich es?
Die Wichtigkeit der Arbeit wird mir bewusst, als ich die Tränensäcke von Khamis und Ashraf sehe. Sie sind die Brüder von Jawaher, welche am Samstagmorgen verstarb, nachdem sie am Freitag wegen einer „Überdosis Tränengas“ ins Spital gebracht wurde. Jawaher war nicht einmal Teil der Demonstration des Dorfes Bil’in. Sie stand in sicherer Entfernung, als das Tränengas ins Dorf schwebte und sie zusammenbrach.

Widerstand, auch wenn er nur aus Steinen besteht. © Christopher Bär
Vielleicht ist die Form ähnlich der eines Spieles, doch der Inhalt unterscheidet sich durch bitterer Ernst. Man sollte nie vergessen, dass es hier um einen Kampf geht, der nicht einfacher Zeitvertreib ist: Es geht um Freiheit, es geht um Rechte. Es geht um Menschen.

Mit gemeinsamen Kräften werden die Soldaten vertrieben; 20-25 Demonstranten rennen den Soldaten nach, welche keine andere Möglichkeit sehen, als sich zurück zu ziehen. © Christopher Bär
Weihnachten.. mal anderst..
24. December 2010
Erwartet nicht eine Weihnachts-Story, auch wenn ich in Bethlehem bin.. Es weihnachtlet hier, naja, auf seine eigene Art und Weise: Kleriker und Politiker schütteln sich Hände, und heut Abend gehts zu Präsident Abbas in die Geburtskirche Christi.. Hört sich ja super an, ist aber eigentlich mehr Anschiss als Anreiz..
Egal, wichtigste Änderung zum normalen Leben in Bethlehem: es hat Touristen bis die Klos überreizen..
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten..


© Christopher Bär
Apartment
22. December 2010
Dry.. Understand it?.. Why not?.. Do you feel lonly?.. No, i hear all the time voices from the apartment above and next to me.. Does it bother me being awake 4am on tuesdays because a roommate is yelling at his alter ego?.. Be square, be square.. What do you think about the shit i’m trying to tell you? I don’t care..




© Micha Freutel
Kommunikativer Realitätsverlust..
17. December 2010

Strassenszene in Bethlehem / Palästina. (© Christopher Baer)
Ein kluger Mann sagte mir einst, dass ich nicht versuchen solle, mich verständlich gegenüber Anderen zu machen; ich solle mich selbst zu verstehen lernen. Handlungen und Gedanken von ihrem emotionalen Kontext zu lösen und sie in einen Rationalen zu transferieren. Der Verstand agiert als Bindeglied zwischen den empfunden Emotionen und dessen Resultat, welches unser Denken und unser Handeln definiert.
Es ist der Verstand, welcher als Interpret zwischen unserer Gefühlsebene und unserem Denken (und den daraus erstanden Handlungen) steht; Es ist die Auseinandersetzung mit Erfahrungen, welche den Verstand beeinflusst und uns Gefühle verschieden interpretieren lässt; Es ist das Gewicht seines geistigen «Gepäckes» in Kombination mit den empfundenen Emotionen, welches die Gedanken und Handlungen unterschiedlich resultieren lässt. Die innere Kommunikation zwischen den gefühlten Emotionen und deren Rationalisierung, wird zur Basis jeglicher Kommunikation: Denn auf ihr sind die Grundmauern jeglicher externer Kommunikation aufgebaut. Kommunikation wird in erster Linie zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst: Der, der seine Gefühle und dessen Ursprung finden und verstehen kann, nur dem wird es möglich sein, sich gegenüber Anderen verständlich zu machen.

Junge in Varanasi / Indien. (© Christopher Baer)

Strassenszene in Al-Quds, Jerusalem / Israel. (© Christopher Baer)
Fotografie ist eine Gratwanderung zwischen der Realität und den persönlichen Emotionen. Die Realität wird als Mittel zum Zweck missbraucht, um die empfunden Emotionen in einer visuellen Form wiederzugeben. Der Bezug zu real erlebten Situation geht verloren: Fotografien verleugnen die Wirklichkeit, da sie nicht die Realität, wie sie sich vorgetragen hat, ablichten, sondern die subjektiven Aufnahmen des Fotografen sind. Doch sind sie ein Manifest der Emotionen des Fotografen und dementsprechend eine Offenbarung über die Ansichten und den Zustand des Erstellers. Je mehr man sich im Klaren über seine eigenen Empfindungen ist – warum finde ich das schön, warum macht mich diese Situation traurig – desto eher ist es dem Fotografen möglich, diese Fragen und Antworten in einem Bild wieder zugeben. Fotografie erhebt nicht nur den rein dokumentarischen Anspruch, es ist mehr als das: Es ist eine Psychotherapie; eine tiefe Auseinadersetzung mit sich selbst und der verzweifelte Versuch, die Erkenntnisse seiner Therapiesitzungen anhand realen Begebenheiten zu visualisieren.
„Il pense qu’il est un grand photographe. Quelle idiot! Tu peux seulement vivre.. C’est tout..“ – Henri Cartier-Bresson

Strassenszene in Varanasi / Indien. (© Christopher Baer)

Strassenszene in Al-Quds, Jerusalem/Israel. (© Christopher Baer)
Love-hate relationship after 1 day..
14. December 2010
First night in New York fucking City..
throwing up kiddie behind me.. living in Lower East Side Manhatten.. cozy apartment..
free drinks.. meeting the son of harlem.. le Bain at the Standard.. sick view.. falling down the stairs.. first time snow in NY.. lots of asses kissing the streets.. and on and on and on..





© Micha Freutel
2 victims looking for love..
11. December 2010
By way of variation, it’s me..
Alter Ego.. Love.. Fashego.. Altbauwohnung.. 7h Shooting.. Oliven.. Ritter.. Psychos.. Mach mal fashion.. guurl.. Welcome New York..
Credits:
Concept, Lightning, Pre- and Postpruduction, Producer: Micha Freutel
Picture taken by: Warren Matti
Models: Fashego and Vivica Knox





© Micha Freutel
Homo anonymos..
7. December 2010

(© Christopher Baer)
Mein Kopf ist schwer, verstopft von Schleim und Staub. Die Nase agiert nicht mehr in ihrer natürlichen Funktion; feine Düfte aufspüren und erkennen, Sauerstoff zuführen. Nein, sie ist nur noch gross. Gross, geschwollen und rot vom schnäuzen. Meine Lippen spröde und von Rissen übersät wie der trockene Boden Palästinas, welcher seit acht Monaten keinen Regen erlebt hatte.
Blistex verkommt zu einem Wunderwerk und erscheint zum selben Zeitpunkt wie der erste Regenschauer; die Risse füllen sich mit Feuchtigkeit, die Erde verbindet sich.. Altes wird Neu und löst Altes ab, Leben erwacht und heisst den lang-ersehnten Winter willkommen.
Winter, welcher nicht weiss und kalt ist.. Winter, der nicht das Leben in eine Pause schickt und es schlafen lässt. Winter, der zur zweiten Halbzeit pfeift und den Spielern noch freundlich mit einem Lebenselixier ins Gesicht spuckt. Winter ist nicht gleich Winter..

(© Christopher Baer)
Vieles wird in einem anderen Licht betrachtet.. Seien es geografische, natürliche oder kulturelle/gesellschaftliche Unterschiede. Was sinnvoll und klug erscheint, kann dumm und zerstörend sein. So gern ich auf alles einen Fick geben würde, wäre das Einzige, dass penetriert werden würde: Ich. So passe ich mich an, nehme mich zurück.. Erkenne die Freude und Freundlichkeit des lebenden Winters mit all seinen Problemen. Spiele das Spiel der Verdeckung und Heuchelei und gebe mich nach Aussen mit meinen zwischenmenschlichen Problemen als etwas, dass ich zwischen meinen vier Wänden nicht bin. Innen meine Geliebte, aussen meine Schwester. Wein wird zu Traubensaft und der Akt der Liebe zum Fitnesstraining. Man ändert die Bedeutung und ändert so die Deutung, bleibt im geschützten Raum sich, und verschwindet draussen in der Anonymität.

(© Christopher Baer)
